P002a – Stufe 0 Was brauchst du als Coach?
Inhaltsverzeichnis
Ein Begleithandbuch für das NADEUM-Programm zur Sozialkompetenz
Vorwort
Lieber Coach,
vielleicht liest du dieses Handbuch, weil du mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten möchtest. Vielleicht bist du Lehrer. Vielleicht bist du freiwilliger Helfer. Vielleicht bist du selbst noch dabei, vieles über Menschen und Entwicklung zu lernen. Dann bist du hier genau richtig. Für dieses Programm musst du kein Experte sein. Du musst keine Universität besucht haben. Du musst keine perfekte Ausbildung besitzen. Du musst auch nicht alle Antworten kennen. Das Wichtigste ist etwas anderes: Du musst bereit sein, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Genau das macht einen Coach aus. Die Jugendlichen, mit denen du arbeitest, brauchen nicht unbedingt jemanden, der ihnen ständig sagt, was richtig oder falsch ist. Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört. Jemanden, der sie ernst nimmt. Jemanden, der ihnen hilft, eigene Erfahrungen zu machen. Jemanden, der an sie glaubt.
Dieses Handbuch soll dir helfen, genau das zu tun.
Kapitel 1
Du musst nicht perfekt sein
Viele Menschen glauben: „Ein Coach muss alles wissen.“ Das stimmt nicht. Ein Coach muss nicht perfekt sein. Ein Coach darf Fehler machen. Ein Coach darf sagen: „Das weiß ich gerade nicht.“ Ein Coach darf gemeinsam mit den Jugendlichen lernen. Tatsächlich vertrauen Jugendliche Menschen oft mehr, wenn diese ehrlich sind. Wenn ein Coach vorgibt, alles zu wissen, entsteht Distanz. Wenn ein Coach ehrlich ist, entsteht Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage jeder Entwicklung. Deshalb darfst du ruhig du selbst sein. Die Jugendlichen brauchen keinen perfekten Menschen.
Sie brauchen einen echten Menschen.
Kapitel 2
Was ist ein Coach?
Viele Menschen kennen Lehrer. Wenige Menschen kennen Coaches. Deshalb ist es wichtig, den Unterschied zu verstehen. Ein Lehrer vermittelt Wissen. Ein Coach begleitet Entwicklung. Ein Lehrer erklärt. Ein Coach stellt Fragen. Ein Lehrer gibt Antworten. Ein Coach hilft dabei, Antworten selbst zu finden.
Beides ist wertvoll.
Doch im NADEUM-Programm steht die persönliche Entwicklung im Mittelpunkt. Deshalb wird hier die Rolle des Coaches besonders wichtig. Wenn ein Jugendlicher sagt: „Ich weiß nicht.“ Dann muss ein Coach nicht sofort antworten. Manchmal genügt eine Frage: „Was glaubst du selbst?“ oder „Welche Möglichkeit fällt dir zuerst ein?“
Oft beginnt genau dort das Lernen.
Kapitel 3
Die wichtigste Regel des Coachings
Es gibt viele Methoden. Viele Bücher. Viele Techniken. Doch eine Regel ist wichtiger als alle anderen:
- Nicht vorsagen.
- Nicht bewerten.
- Nicht beschämen.
- Nicht auslachen.
Sondern:
- fragen,
- ermutigen,
- zuhören,
- begleiten.
Menschen lernen nachhaltiger durch eigene Erkenntnisse als durch fremde Belehrungen. Wenn ein Jugendlicher selbst eine Antwort findet, bleibt sie oft viel länger im Gedächtnis. Deshalb solltest du weniger reden als viele Lehrer.
Und mehr fragen. Das ist oft schwieriger. Aber es wirkt stärker.
Kapitel 4
Wie Kinder und Jugendliche lernen
Kinder lernen nicht nur mit dem Kopf. Sie lernen durch Erleben. Durch Ausprobieren. Durch Fehler. Durch Beobachten. Durch Wiederholen. Deshalb müssen Übungen nicht perfekt ablaufen.
Wenn Kinder lachen, nachdenken, diskutieren oder etwas ausprobieren, findet oft bereits Lernen statt. Manchmal antwortet ein Kind nicht sofort. Das bedeutet nicht, dass es nichts gelernt hat. Viele Gedanken brauchen Zeit.
Manche Erkenntnisse entstehen Stunden später. Manche sogar Tage später. Geduld gehört deshalb zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Coaches.
Kapitel 5
Arbeiten unter einfachen Bedingungen
Viele Methoden wurden für Klassenräume entwickelt. Kakuma ist kein gewöhnlicher Klassenraum.
- Es gibt Lärm.
- Es gibt Hitze.
- Es gibt Ablenkungen.
- Menschen gehen vorbei.
- Andere Gruppen arbeiten in der Nähe.
- Manchmal fehlen Tische.
- Manchmal fehlen Stifte.
- Manchmal fehlen sogar Dächer.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Lernen unmöglich ist.
Menschen haben Jahrtausende lang unter freiem Himmel gelernt. Wichtig ist nicht die Perfektion der Umgebung. Wichtig ist die Qualität der Begegnung. Nutze deshalb die Möglichkeiten, die vorhanden sind.
- Ein Baum kann ein Klassenraum sein.
- Ein Kreis im Sand kann eine Tafel sein.
- Ein Gespräch kann manchmal mehr bewirken als viele Arbeitsblätter.
Kapitel 6
Aufmerksamkeit gewinnen, ohne zu schreien
Viele Erwachsene versuchen Unruhe mit Lautstärke zu bekämpfen. Doch Lautstärke erzeugt oft nur mehr Lautstärke. Ein Coach arbeitet anders. Er nutzt Rituale. Zum Beispiel:
Der Coach ruft: „Team?“
Die Gruppe antwortet: „Bereit!“
Oder der Coach klatscht einmal. Die Gruppe klatscht einmal zurück.
Nach kurzer Zeit verstehen die Jugendlichen:
Jetzt beginnt etwas Wichtiges. Solche Rituale schaffen Aufmerksamkeit ohne Druck. Sie erzeugen Gemeinschaft. Und sie sparen viel Energie.
Kapitel 7
Motivation verstehen
Viele Erwachsene glauben: Zuerst Motivation. Dann Handlung.
Bei Jugendlichen ist es oft umgekehrt. Zuerst Handlung. Dann Erfolg. Dann Motivation.
Ein Kind muss nicht immer motiviert sein, um zu beginnen. Oft reicht ein kleiner erster Schritt. Deshalb sollten Coaches kleine Erfolge sichtbar machen. Wenn jemand heute mutig gesprochen hat, erwähne es. Wenn jemand aufmerksam zugehört hat, erwähne es. Wenn die Gruppe gut zusammengearbeitet hat, erwähne es.
Menschen wachsen an ihren Erfolgen. Besonders Kinder.
Kapitel 8
Konflikte sind Lernchancen
Früher oder später entstehen Konflikte. Das ist normal. Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Unterschiede. Ein Coach sieht Konflikte nicht nur als Problem. Ein Coach sieht Konflikte als Lernmöglichkeit.
Wenn zwei Jugendliche streiten, kannst du fragen:
- „Was ist passiert?“
- „Wie hast du dich gefühlt?“
- „Wie hat sich die andere Person gefühlt?“
- „Welche Lösung wäre fair?“
Oft lernen Jugendliche in solchen Momenten mehr über Sozialkompetenz als in jeder Theorieeinheit.
Kapitel 9
Die zehn Stufen begleiten
Jede Stufe verfolgt ein eigenes Ziel.
Stufe 1 – Mich selbst verstehen
Hinweise für Coaches
Die erste Stufe bildet das Fundament für alle weiteren Schritte des Sozialkompetenztrainings. Viele Kinder und Jugendliche beschäftigen sich im Alltag kaum bewusst mit sich selbst. Sie wissen oft, was andere von ihnen erwarten, aber nur selten, welche Fähigkeiten, Interessen oder Stärken sie selbst besitzen.
Deshalb ist diese Stufe besonders wichtig.
Sie hilft den Jugendlichen, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten und sich selbst besser kennenzulernen. Als Coach solltest du dabei nicht nach richtigen oder falschen Antworten suchen. Es geht nicht darum, ob eine Antwort gut oder schlecht ist. Es geht darum, dass der Jugendliche beginnt, über sich selbst nachzudenken.
- Manche Kinder werden sofort erzählen.
- Andere werden still bleiben.
- Wieder andere beobachten zunächst nur die Gruppe.
Das ist normal.
Jeder Mensch entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.
Ein guter Coach respektiert diese Unterschiede.
Versuche deshalb nicht, Antworten zu erzwingen. Stelle Fragen. Gib Zeit zum Nachdenken. Lass Pausen zu. Oft entstehen die wichtigsten Gedanken genau in diesen ruhigen Momenten.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Der Jugendliche soll beginnen, sich selbst bewusster wahrzunehmen. Er soll erkennen:
- Was kann ich gut?
- Was mache ich gerne?
- Welche Eigenschaften beschreiben mich?
- Was macht mich besonders?
Viele Kinder hören im Alltag häufiger, was sie falsch machen, als was sie gut können. Diese Stufe hilft dabei, den Blick auf vorhandene Fähigkeiten und Stärken zu richten. Dadurch entsteht Selbstvertrauen. Und Selbstvertrauen ist eine wichtige Grundlage für alle weiteren Lernschritte.
Die Rolle des Coaches
Deine Aufgabe ist es nicht, Antworten vorzugeben. Deine Aufgabe ist es, Interesse zu zeigen.
Wenn ein Kind sagt: „Ich kann nichts.“
Dann solltest du nicht widersprechen oder belehren. Du könntest stattdessen fragen:
„Gibt es etwas, wobei andere dich manchmal um Hilfe bitten?“
Oder:
„Was machst du gerne, wenn niemand dir sagt, was du tun sollst?“
Oft entdecken Kinder dadurch Fähigkeiten, die ihnen selbst noch nicht bewusst waren. Ein Coach hilft beim Entdecken. Er entscheidet nicht für die Jugendlichen, wer sie sind.
Was sollte der Coach vermeiden?
Vermeide Vergleiche zwischen den Jugendlichen. Sätze wie: „Schau, sie kann das besser als du.“ oder „Warum bist du nicht so wie er?“ können das Selbstvertrauen stark beeinträchtigen. Auch Bewertungen sollten vermieden werden. Jede ehrliche Antwort verdient Respekt. Selbst wenn sie kurz oder unvollständig erscheint.
Der Coach begleitet. Er bewertet nicht.
Arbeiten mit großen Gruppen
In Kakuma oder ähnlichen Umgebungen arbeiten Coaches oft mit vielen Kindern gleichzeitig. Deshalb muss nicht jede Antwort aufgeschrieben werden. Viele Übungen können auch mündlich durchgeführt werden. Wenn die Gruppe groß ist, können die Jugendlichen paarweise zusammenarbeiten.
Jeder erzählt seinem Partner:
- etwas, das er gut kann
- etwas, das er gerne macht
- etwas, das er lernen möchte
Danach können einzelne Freiwillige ihre Gedanken mit der Gruppe teilen.
So bleiben alle beteiligt.
Freiluftvariante für Kakuma
Lass die Jugendlichen in einem großen Kreis stehen.
Erkläre: „Ich werde verschiedene Aussagen vorlesen.“ Wer zustimmt, macht einen Schritt nach vorne.
Zum Beispiel:
- „Ich helfe gerne anderen Menschen.“
- „Ich lerne gerne neue Dinge.“
- „Ich arbeite gerne mit meinen Händen.“
- „Ich spiele gerne mit anderen Kindern.“
Nach jeder Aussage können einzelne Jugendliche erzählen, warum sie sich bewegt haben. Diese Übung benötigt kein Material. Keine Tische. Keine Stifte. Und trotzdem lernen die Jugendlichen viel über sich selbst.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit kannst du einige dieser Fragen stellen: Was hast du heute über dich gelernt? Was hat dich überrascht? Worauf bist du stolz? Welche Stärke möchtest du weiterentwickeln? Was möchtest du in Zukunft lernen? Es müssen nicht alle Fragen beantwortet werden. Manchmal genügt bereits eine einzige Antwort, um einen wichtigen Denkprozess anzustoßen.
Ermutigung für den Coach
Manche Jugendliche werden nach dieser Stufe nur wenig sagen. Lass dich dadurch nicht entmutigen. Selbst wenn Kinder still wirken, denken viele von ihnen über die Fragen weiter nach. Entwicklung geschieht oft im Verborgenen. Deine Aufgabe besteht nicht darin, sofort Ergebnisse zu sehen.
Deine Aufgabe besteht darin, einen Raum zu schaffen, in dem Jugendliche beginnen können, sich selbst besser kennenzulernen. Genau dort beginnt persönliche Entwicklung.
Stufe 2 – Gefühle erkennen
Hinweise für Coaches
Die zweite Stufe des NADEUM-Programms führt die Jugendlichen zu einem Thema, das jeden Menschen ein Leben lang begleitet:
Gefühle.
Viele Erwachsene gehen davon aus, dass Kinder ihre Gefühle automatisch verstehen. Doch das ist oft nicht der Fall. Viele Jugendliche spüren zwar Freude, Wut, Angst, Enttäuschung, Stolz oder Unsicherheit, können diese Gefühle aber nicht benennen. Manchmal wissen sie nicht, warum sie sich so fühlen. Manchmal reagieren sie einfach, ohne ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen. Deshalb ist diese Stufe von großer Bedeutung.
Wer seine Gefühle erkennt, beginnt sich selbst besser zu verstehen. Und wer sich selbst besser versteht, kann später auch lernen, bewusster zu handeln.
Als Coach hilfst du den Jugendlichen dabei, ihre Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und besser zu verstehen.
Dabei geht es nicht darum, Gefühle zu bewerten. Es gibt keine guten oder schlechten Gefühle. Gefühle sind zunächst einmal Informationen. Sie zeigen uns, wie wir eine Situation erleben. Ein Mensch darf traurig sein. Ein Mensch darf wütend sein. Ein Mensch darf Angst haben. Ein Mensch darf sich freuen.
Die Aufgabe des Coaches besteht nicht darin, Gefühle zu verändern. Die Aufgabe des Coaches besteht darin, den Jugendlichen zu helfen, ihre Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll den Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Welche Gefühle kenne ich?
- Welche Gefühle erlebe ich häufig?
- In welchen Situationen entstehen diese Gefühle?
- Warum entstehen sie?
Viele Konflikte beginnen nicht bei den Handlungen eines Menschen. Sie beginnen bei Gefühlen, die nicht erkannt werden. Ein Jugendlicher, der seine Wut erkennt, hat bereits einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Ein Jugendlicher, der seine Angst erkennt, kann lernen, besser mit ihr umzugehen. Ein Jugendlicher, der seine Freude erkennt, versteht besser, was ihm wichtig ist. Gefühle erkennen bedeutet deshalb nicht Schwäche. Gefühle erkennen bedeutet Selbstwahrnehmung.
Und Selbstwahrnehmung ist eine Stärke.
Die Rolle des Coaches
Als Coach schaffst du einen sicheren Raum. Jugendliche sollen wissen:
- Hier darf ich ehrlich sein.
- Hier werde ich nicht ausgelacht.
- Hier werde ich nicht beschämt.
- Hier darf ich über meine Gefühle sprechen.
Besonders wichtig ist dabei dein eigenes Verhalten. Wenn ein Jugendlicher von Angst spricht und die Gruppe lacht, solltest du sofort eingreifen und erklären, dass jedes Gefühl respektiert werden muss.
Wenn ein Jugendlicher traurig wirkt, musst du ihn nicht drängen. Manchmal genügt es, zuzuhören. Manchmal genügt es, Verständnis zu zeigen.
Ein Coach muss nicht jedes Problem lösen.
Oft hilft es bereits, wenn ein Jugendlicher merkt: „Jemand hört mir zu.“
Stelle einfache Fragen: „Wie hast du dich dabei gefühlt?“ „Wann fühlst du dich so?“ „Was glaubst du, warum dieses Gefühl entstanden ist?“ Solche Fragen helfen Jugendlichen, ihre Gefühle besser wahrzunehmen.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene machen unbewusst Fehler, wenn sie über Gefühle sprechen.
Zum Beispiel:
- „Du musst keine Angst haben.“
- „Das ist doch nicht schlimm.“
- „Sei nicht traurig.“
- „Sei stark.“
Oft sind diese Aussagen gut gemeint. Doch sie vermitteln dem Jugendlichen, dass sein Gefühl falsch ist. Gefühle sind jedoch nicht falsch. Sie sind Teil des menschlichen Lebens. Statt Gefühle wegzureden, solltest du sie anerkennen.
Zum Beispiel:
„Ich verstehe, dass dich das beschäftigt.“ „Das klingt nach einer schwierigen Situation.“ „Danke, dass du darüber sprichst.“
Solche Antworten schaffen Vertrauen. Vermeide außerdem Vergleiche. Jeder Mensch erlebt Gefühle unterschiedlich.
Was für einen Jugendlichen klein erscheint, kann für einen anderen sehr bedeutend sein.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen werden nicht alle Jugendlichen über persönliche Gefühle sprechen wollen. Das ist in Ordnung. Niemand sollte gezwungen werden.
Du kannst die Jugendlichen stattdessen in Zweiergruppen arbeiten lassen. Jeder erzählt seinem Partner von einer Situation, die Freude, Stolz oder Mut ausgelöst hat. Wenn die Gruppe bereit ist, können später auch schwierigere Gefühle besprochen werden.
Beginne immer mit einfachen Beispielen. Vertrauen entsteht Schritt für Schritt. Je größer die Gruppe ist, desto wichtiger wird eine respektvolle Atmosphäre. Die Jugendlichen sollen lernen zuzuhören, ohne zu lachen oder andere zu bewerten.
Freiluftvariante für Kakuma
Diese Übung benötigt kein Material. Der Coach nennt verschiedene Gefühle: Freude, Traurigkeit, Angst, Wut, Stolz, Überraschung.
Die Jugendlichen stellen das Gefühl mit ihrem Gesicht oder ihrer Körperhaltung dar.
Die anderen versuchen zu erraten, welches Gefühl dargestellt wird.
Anschließend kann gefragt werden:
„Wann hast du dieses Gefühl zuletzt erlebt?“
Die Jugendlichen lernen dadurch spielerisch, Gefühle zu erkennen und zu benennen.
Gleichzeitig bleibt die Gruppe aktiv und aufmerksam.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
- Welches Gefühl hast du heute besser verstanden?
- Welches Gefühl fällt dir leicht zu erkennen
- Welches Gefühl fällt dir schwer zu erkennen
- Wann fühlst du dich besonders glücklich
- Wann fühlst du dich besonders unsicher?
- Was hast du heute über dich selbst gelernt?
Es müssen nicht alle Fragen beantwortet werden. Manchmal genügt eine einzige ehrliche Antwort.
Ermutigung für den Coach
Manche Jugendliche werden über Gefühle sprechen. Andere werden schweigen. Beides ist normal. Nicht jeder Mensch lernt auf dieselbe Weise. Nicht jeder Mensch öffnet sich gleich schnell.
Geduld ist deshalb besonders wichtig.
Vertraue dem Prozess. Oft beginnt die eigentliche Entwicklung erst nach der Übung. Vielleicht denkt ein Jugendlicher am Abend über eine Frage nach. Vielleicht erinnert er sich einige Tage später an ein Gespräch. Vielleicht beginnt er erst Wochen später, seine Gefühle bewusster wahrzunehmen.
Auch das ist Lernen.
Deine Aufgabe als Coach besteht nicht darin, Gefühle zu kontrollieren. Deine Aufgabe besteht darin, Jugendlichen zu zeigen, dass Gefühle verstanden werden können. Genau dort beginnt emotionale Reife. Und genau dort beginnt der Weg zu echter Sozialkompetenz.
Stufe 2 legt nämlich den Grundstein für Stufe 3 (Gefühle steuern), Stufe 5 (Zuhören), Stufe 7 (Konflikte lösen) und besonders Stufe 8 (Verantwortung übernehmen).
Wer Gefühle nicht erkennt, kann sie später nur schwer steuern oder Verantwortung für sein Verhalten übernehmen.
Stufe 3 – Gefühle steuern
Hinweise für Coaches
Die dritte Stufe baut direkt auf der vorherigen Stufe auf. In Stufe 2 haben die Jugendlichen gelernt, Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen.
Nun lernen sie etwas Neues: Sie lernen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Gefühle erkennen bedeutet: „Ich bemerke, was ich fühle.“
Gefühle steuern bedeutet: „Ich entscheide bewusst, wie ich darauf reagiere.“
Viele Menschen verwechseln diese beiden Dinge. Deshalb ist diese Stufe besonders wichtig. Sie hilft Jugendlichen zu verstehen, dass Gefühle zwar oft automatisch entstehen, ihr Verhalten jedoch bewusst beeinflusst werden kann.
Ein Mensch entscheidet nicht immer, ob Wut entsteht. Aber er kann lernen zu entscheiden, was er mit dieser Wut macht.
Ein Mensch entscheidet nicht immer, ob Angst entsteht. Aber er kann lernen, wie er mit dieser Angst umgeht.
Genau hier beginnt Selbstkontrolle. Und Selbstkontrolle gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten für ein friedliches Zusammenleben.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Gefühle sind normal.
- Starke Gefühle gehören zum Leben.
- Gefühle müssen nicht sofort zu Handlungen werden.
- Zwischen Gefühl und Handlung liegt eine Entscheidung.
Viele Konflikte entstehen nicht wegen eines Gefühls. Sie entstehen wegen einer unüberlegten Reaktion. Ein Jugendlicher wird wütend.
Das ist normal. Wenn er jedoch sofort schreit, beleidigt oder zuschlägt, entstehen Probleme.
Diese Stufe hilft den Jugendlichen zu erkennen:
- Ich kann innehalten.
- Ich kann nachdenken.
- Ich kann bewusst entscheiden.
Dieses Verständnis verändert oft das gesamte Verhalten eines Menschen.
Die Rolle des Coaches
Als Coach hilfst du den Jugendlichen zu erkennen, dass Gefühle nicht ihr Feind sind.
Viele Kinder glauben:
- Wut ist schlecht.
- Angst ist schlecht.
- Traurigkeit ist schlecht.
Das stimmt nicht. Alle Gefühle haben einen Grund. Sie wollen uns etwas mitteilen.
Der Coach hilft deshalb nicht dabei, Gefühle zu unterdrücken. Der Coach hilft dabei, bewusst mit ihnen umzugehen. Das ist ein großer Unterschied.
Wenn ein Jugendlicher erzählt: „Ich war sehr wütend.“
Dann sollte die erste Reaktion nicht sein: „Du darfst nicht wütend sein.“
Besser wäre:
- „Was ist passiert?“
- „Was hast du dabei gefühlt?“
- „Was hättest du tun können?“
Dadurch beginnt der Jugendliche nachzudenken. Ein Coach hilft beim Nachdenken. Nicht beim Verurteilen. Versuche immer wieder deutlich zu machen:
Gefühle sind normal. Entscheidungen können trainiert werden.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene machen bei diesem Thema einen Fehler. Sie verwechseln Selbstkontrolle mit Unterdrückung.
Sie sagen:
- „Reiß dich zusammen.“
- „Sei nicht traurig.“
- „Sei nicht wütend.“
- „Zeig keine Angst.“
Doch Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert. Oft werden sie sogar stärker.
Deshalb sollte ein Coach niemals vermitteln, dass Gefühle falsch sind. Das Ziel dieser Stufe ist nicht: Keine Gefühle zu haben.
Das Ziel dieser Stufe ist:
- Bewusst mit Gefühlen umzugehen.
- Vermeide außerdem Beschämung.
Wenn ein Jugendlicher von einem Gefühlsausbruch berichtet, sollte er dafür nicht ausgelacht oder verurteilt werden. Jeder Mensch verliert manchmal die Kontrolle.
Die Frage lautet nicht: „Warum hast du das gemacht?“
Sondern: „Was kannst du beim nächsten Mal anders machen?“ Genau dort beginnt Entwicklung.
Arbeiten mit großen Gruppen
Bei großen Gruppen kann es hilfreich sein, typische Alltagssituationen zu besprechen.
Der Coach beschreibt eine Situation: „Jemand beleidigt dich.“
Dann fragt er: „Welches Gefühl könnte entstehen?“
Die Gruppe antwortet: „Wut.“
Danach fragt der Coach: „Welche Reaktionen wären, möglich?“
Nun sammeln die Jugendlichen verschiedene Ideen. Einige Reaktionen werden hilfreich sein. Andere nicht. Gemeinsam wird besprochen, welche Reaktionen Konflikte lösen und welche Konflikte vergrößern. Dadurch lernen die Jugendlichen voneinander. Gleichzeitig müssen sie keine sehr persönlichen Erfahrungen erzählen.
Freiluftvariante für Kakuma
Diese Übung eignet sich besonders gut für große Gruppen. Der Coach markiert drei Bereiche auf dem Boden.
Bereich 1: Sofort reagieren
Bereich 2: Kurz nachdenken
Bereich 3: Ruhig und bewusst handeln
Nun beschreibt der Coach verschiedene Situationen.
Zum Beispiel:
„Jemand nimmt dir etwas weg.“
„Jemand lacht über dich.“
„Du verlierst ein Spiel.“
Die Jugendlichen stellen sich in den Bereich, der ihrer wahrscheinlichen Reaktion entspricht. Danach wird gemeinsam besprochen:
- Warum habt ihr euch dort hingestellt?
- Welche andere Möglichkeit gäbe es?
Die Jugendlichen erkennen dadurch, dass Menschen unterschiedlich reagieren. Sie erkennen aber auch, dass bewusste Entscheidungen möglich sind.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
- Welches starke Gefühl erlebst du am häufigsten?
- Wann wird dieses Gefühl besonders stark?
- Was hilft dir, ruhig zu bleiben?
- Wann hast du zuletzt bewusst reagiert statt impulsiv zu handeln?
- Welche Reaktion möchtest du in Zukunft häufiger nutzen?
- Was hast du heute über dich selbst gelernt?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihre eigenen Muster besser zu erkennen.
Ermutigung für den Coach
Diese Stufe braucht Zeit. Manche Jugendliche verstehen den Unterschied zwischen Gefühl und Handlung sofort. Andere benötigen viele Beispiele und viele Wiederholungen. Das ist normal.
Selbst viele Erwachsene lernen diese Fähigkeit erst spät im Leben. Deshalb solltest du Geduld haben. Fehler gehören zum Lernen.
Ein Jugendlicher, der heute noch impulsiv reagiert, kann morgen bereits bewusster handeln. Oft geschieht Veränderung schrittweise. Kleine Fortschritte sind große Erfolge. Wenn ein Jugendlicher einmal innehält, bevor er reagiert, ist bereits etwas Wertvolles passiert. Wenn er einmal tief durchatmet, bevor er spricht, hat Lernen stattgefunden. Wenn er einmal eine friedliche Lösung statt eines Streits wählt, beginnt echte Sozialkompetenz sichtbar zu werden.
Deine Aufgabe als Coach besteht darin, diese kleinen Fortschritte zu erkennen und zu stärken. Du hilfst den Jugendlichen zu verstehen:
- Gefühle gehören zu mir.
- Aber meine Entscheidungen gehören ebenfalls zu mir. Und genau dort beginnt Selbstkontrolle. Genau dort beginnt persönliche Reife. Und genau dort entsteht die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln im späteren Leben.
Viele Jugendliche erkennen hier zum ersten Mal, dass sie nicht hilflos ihren Gefühlen ausgeliefert sind.
Diese Erkenntnis wird später bei Stufe 7 (Konflikte lösen) und besonders bei Stufe 8 (Verantwortung übernehmen) von enormer Bedeutung sein.
Stufe 4 – Respekt und Regeln
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 4 beginnt ein wichtiger Übergang im gesamten Sozialkompetenzprogramm.
Die ersten drei Stufen haben sich vor allem mit dem eigenen Inneren beschäftigt:
- Wer bin ich?
- Was fühle ich?
- Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um?
Nun richtet sich der Blick stärker auf das Zusammenleben mit anderen Menschen.
Denn kein Mensch lebt allein. Wir leben in Familien.
Wir leben in Gemeinschaften.
Wir leben in Dörfern, Städten, Schulen und Gesellschaften. Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, entstehen Regeln. Und überall dort, wo Menschen zusammenkommen, wird Respekt benötigt. Viele Jugendliche erleben Regeln jedoch hauptsächlich als Einschränkung.
Sie hören:
- „Das darfst du nicht.“
- „Mach das nicht.“
- „Halte dich an die Regeln.“
Deshalb ist es wichtig, dass der Coach den tieferen Sinn von Regeln erklärt.
Regeln sollen Menschen nicht klein machen.
Regeln sollen Menschen schützen.
Sie helfen uns, friedlich miteinander zu leben.
Respekt und Regeln gehören deshalb zusammen.
Ohne Respekt werden Regeln oft missachtet.
Ohne Regeln wird Respekt oft schwierig.
Diese Stufe hilft Jugendlichen zu verstehen, warum Gemeinschaft Regeln braucht und warum respektvolles Verhalten für alle Menschen wichtig ist.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Warum Regeln existieren.
- Warum Regeln Gemeinschaft schützen.
- Warum Respekt für ein friedliches Zusammenleben wichtig ist.
- Wie das eigene Verhalten andere Menschen beeinflusst.
Viele Jugendliche erleben Regeln als etwas, das von Erwachsenen bestimmt wird.
Doch fast jede Gemeinschaft entwickelt Regeln.
Selbst Kinder, die Fußball spielen, einigen sich auf Regeln.
Selbst Freunde haben oft unausgesprochene Regeln.
Selbst Familien entwickeln Regeln für das Zusammenleben.
Die Jugendlichen sollen erkennen:
- Regeln sind nicht automatisch Strafe.
- Regeln schaffen Orientierung.
- Regeln schaffen Sicherheit.
- Regeln ermöglichen Fairness.
Wenn Jugendliche diesen Zusammenhang verstehen, verändert sich oft ihre Einstellung zu Regeln grundlegend.
Die Rolle des Coaches
Als Coach solltest du vermeiden, Regeln nur zu verkünden. Viel wirkungsvoller ist es, gemeinsam über Regeln nachzudenken. Frage die Jugendlichen:
- „Warum gibt es diese Regel?“
- „Was würde passieren, wenn es diese Regel nicht gäbe?“
- „Wem hilft diese Regel?“
Solche Fragen fördern Verständnis.
Menschen halten sich eher an Regeln, deren Sinn sie verstehen. Der Coach hilft den Jugendlichen außerdem zu erkennen, dass Respekt nicht nur durch Worte sichtbar wird. Respekt zeigt sich im Verhalten.
Zum Beispiel:
- Zuhören
- Ausreden lassen
- Ehrlichkeit
- Hilfsbereitschaft
- Rücksichtnahme
- Verantwortungsbewusstsein
Viele Jugendliche verstehen Respekt zunächst als etwas, das man von anderen erwartet. Der Coach hilft ihnen zu erkennen:
Respekt beginnt bei mir selbst.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene versuchen Respekt durch Angst zu erzeugen.
Sie glauben: „Wenn die Kinder Angst haben, respektieren sie mich.“ Das ist ein Irrtum.
Angst erzeugt Gehorsam.
Respekt entsteht durch Vertrauen. Ein Coach sollte deshalb niemals Demütigung oder Einschüchterung nutzen.
Vermeide Aussagen wie:
- „Du bist respektlos.“
- „Mit dir stimmt etwas nicht.“
- „Du bist ein schlechtes Kind.“
Kritisiere lieber das Verhalten als die Person.
Besser ist:
- „Dieses Verhalten war nicht in Ordnung.“
- „Bitte sprich respektvoll mit anderen.“
- „Lass uns überlegen, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst.“
Grundsatz:
Kritisiere das Verhalten, nicht die Person. So bleibt die Würde des Kindes erhalten und es kann aus seinem Fehler lernen, ohne sich abgewertet zu fühlen. Vermeide außerdem endlose Vorträge. Jugendliche lernen Respekt vor allem durch Erfahrungen und Vorbilder. Sie beobachten genau, wie Erwachsene handeln.
Wenn ein Coach selbst respektvoll spricht, zuhört und fair handelt, wird er zum Vorbild.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen eignet sich diese Stufe besonders gut für gemeinsame Gespräche. Der Coach kann fragen: „Welche Regeln sind für unsere Gruppe wichtig?“
Die Jugendlichen dürfen Vorschläge machen.
Zum Beispiel:
- Wir hören einander zu.
- Wir lachen niemanden aus.
- Wir helfen einander.
- Wir sprechen respektvoll miteinander.
Die Vorschläge werden gesammelt. Anschließend kann die Gruppe gemeinsam entscheiden, welche Regeln besonders wichtig sind. Dadurch entsteht Mitverantwortung. Menschen halten sich eher an Regeln, die sie mitgestaltet haben.
Freiluftvariante für Kakuma
Diese Übung benötigt kein Material. Der Coach beschreibt verschiedene Situationen.
Zum Beispiel:
„Ein Kind spricht und wird ständig unterbrochen.“
„Jemand wirft Müll auf den Boden.“
„Jemand hilft einem jüngeren Kind.“
„Jemand verspottet einen Mitschüler.“
Die Jugendlichen bewegen sich zu einer von zwei Seiten.
Seite 1: Respektvoll
Seite 2: Nicht respektvoll
Danach wird gemeinsam besprochen:
Warum habt ihr euch so entschieden?
Welche Folgen könnte dieses Verhalten haben?
Wie könnte die Situation verbessert werden?
Die Jugendlichen lernen dadurch, respektvolles und respektloses Verhalten im Alltag besser zu erkennen.
Reflexionfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Welche Regel findest du besonders wichtig
Warum ist diese Regel wichtig
Wann hast du selbst Respekt erlebt?
Wann hast du selbst Respekt gezeigt?
Welche Form von Respekt fällt dir leicht?
Welche Form von Respekt fällt dir schwer?
Was hast du heute gelernt?
Die Jugendlichen sollen erkennen, dass Respekt nicht nur ein Wort ist, sondern täglich sichtbar wird.
Ermutigung für den Coach
Manche Jugendliche werden Regeln sofort akzeptieren.
Andere werden sie hinterfragen.
Wieder andere werden sie ablehnen.
Das ist normal.
Jugendliche befinden sich in einer Phase ihres Lebens, in der sie lernen, selbstständig zu denken. Deshalb sollten Fragen nicht als Widerstand verstanden werden.
Oft sind Fragen ein Zeichen von Interesse. Nutze solche Momente.
Erkläre nicht nur die Regel. Erkläre den Sinn hinter der Regel. Wenn Jugendliche den Sinn verstehen, entsteht oft freiwillige Mitarbeit.
Vergiss außerdem nicht:
Die stärkste Lektion über Respekt bist du selbst.
Jedes Mal, wenn du geduldig zuhörst.
Jedes Mal, wenn du ruhig bleibst.
Jedes Mal, wenn du fair handelst.
Jedes Mal, wenn du einen Fehler zugibst, unterrichtest du die Jugendlichen – auch ohne Worte.
Respekt kann man erklären. Aber Respekt wird vor allem vorgelebt.
Und genau deshalb ist der Coach in dieser Stufe so wichtig.
Er zeigt den Jugendlichen, wie respektvolles Verhalten im Alltag aussehen kann.
Genau dort entsteht Vertrauen.
Genau dort entsteht Gemeinschaft.
Genau dort beginnt die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.
Diese Stufe ist der eigentliche Übergang von der Entwicklung des eigenen Ichs hin zum Zusammenleben mit anderen Menschen. Die Jugendlichen beginnen hier zu verstehen, dass Gemeinschaft nicht zufällig funktioniert. Sie funktioniert durch Respekt, Rücksichtnahme und gemeinsam getragene Regeln. Dieses Verständnis wird später bei Stufe 5 (Zuhören), Stufe 7 (Konflikte lösen) und besonders bei Stufe 8 (Verantwortung übernehmen) eine entscheidende Rolle spielen.
Stufe 5 – Zuhören und verstehen
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 5 beginnt ein neuer und sehr wichtiger Abschnitt des Sozialkompetenztrainings.
Bis jetzt haben die Jugendlichen gelernt:
- sich selbst besser kennenzulernen,
- ihre Gefühle wahrzunehmen,
- ihre Gefühle bewusster zu steuern,
- und die Bedeutung von Respekt und Regeln zu verstehen.
Nun folgt eine Fähigkeit, die für alle Beziehungen im Leben entscheidend ist:
Zuhören.
Viele Menschen glauben, Zuhören sei einfach.
Doch wirkliches Zuhören gehört zu den schwierigsten Fähigkeiten überhaupt.
Oft hören Menschen nicht zu, um zu verstehen. Sie hören zu, um zu antworten.
Während die andere Person noch spricht, denken sie bereits darüber nach, was sie selbst sagen möchten.
Dadurch entstehen Missverständnisse.
Dadurch entstehen Konflikte. Dadurch fühlen sich Menschen nicht ernst genommen.
Diese Stufe hilft Jugendlichen zu erkennen, dass echtes Zuhören mehr ist als still zu sein.
Zuhören bedeutet:
Verstehen wollen.
Interesse zeigen.
Dem anderen Menschen Aufmerksamkeit schenken.
Gerade in einer Welt voller Ablenkungen wird diese Fähigkeit immer wertvoller.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Warum Zuhören wichtig ist.
- Warum Menschen verstanden werden möchten.
- Wie Missverständnisse entstehen.
- Wie echtes Zuhören Beziehungen stärkt.
Viele Jugendliche erleben täglich Situationen, in denen sie sich nicht verstanden fühlen.
Manchmal liegt das daran, dass niemand zuhört.
Manchmal liegt es daran, dass Menschen nur teilweise zuhören.
Manchmal hören Menschen dieselben Worte, verstehen aber unterschiedliche Dinge.
Der Jugendliche soll erkennen: Zuhören ist ein Geschenk.
Wenn ich einem Menschen aufmerksam zuhöre, zeige ich ihm: „Du bist wichtig.“ Deine Gedanken sind wichtig. Deine Gefühle sind wichtig.
Dieses Verständnis verändert oft die gesamte Atmosphäre einer Gruppe.
Die Rolle des Coaches
Bei dieser Stufe wird der Coach selbst zum wichtigsten Lernbeispiel.
Jugendliche beobachten sehr genau. Sie achten weniger auf das, was Erwachsene sagen. Sie achten viel stärker auf das, was Erwachsene tun.
Deshalb sollte der Coach diese Stufe nicht nur erklären. Er sollte sie vorleben. Wenn ein Jugendlicher spricht:
- höre aufmerksam zu,
- unterbrich nicht,
- schaue die Person an,
- zeige Interesse.
Dadurch erleben die Jugendlichen direkt, wie gutes Zuhören aussieht.
Stelle Fragen wie: „Habe ich dich richtig verstanden?“ „Kannst du mir mehr darüber erzählen?“ „Wie hast du das erlebt?“
Solche Fragen zeigen Interesse. Sie helfen dem Jugendlichen, weiterzudenken. Und sie stärken das Vertrauen.
Ein guter Coach hört nicht nur die Worte. Er versucht auch zu verstehen, was hinter den Worten steckt. Manchmal sagt ein Jugendlicher: „Alles ist gut.“ Doch seine Körperhaltung oder seine Stimme erzählen eine andere Geschichte. Ein Coach lernt mit der Zeit, auf beides zu achten.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene unterbrechen Kinder unbewusst. Sie glauben, dadurch Zeit zu sparen. Doch oft geschieht das Gegenteil.
Das Kind lernt: Meine Meinung ist nicht wichtig.
Deshalb sollte ein Coach möglichst selten unterbrechen. Vermeide auch vorschnelle Urteile. Wenn ein Jugendlicher etwas erzählt, musst du nicht sofort bewerten. Nicht jede Aussage benötigt sofort eine Lösung.
Oft genügt zunächst: zuhören, verstehen, nachfragen. Vermeide außerdem Ablenkungen. Wenn du während eines Gesprächs ständig auf andere Dinge achtest, verlieren die Jugendlichen schnell das Gefühl, ernst genommen zu werden. Zuhören beginnt mit Aufmerksamkeit.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen ist echtes Zuhören oft schwieriger. Deshalb eignen sich Partnerübungen besonders gut.
Die Jugendlichen bilden Zweiergruppen. Eine Person spricht zwei Minuten über ein Thema.
Zum Beispiel:
Mein schönstes Erlebnis. Etwas, das ich gelernt habe. Eine Situation, auf die ich stolz bin.
Die andere Person hört nur zu. Sie unterbricht nicht. Sie bewertet nicht. Anschließend darf sie erzählen, was sie verstanden hat.
Danach werden die Rollen gewechselt. Die Jugendlichen erleben dadurch unmittelbar, wie schwierig und gleichzeitig wertvoll Zuhören sein kann.
Freiluftvariante für Kakuma und andere Örtlichkeiten
Diese Übung benötigt keinerlei Material.
Die Gruppe bildet einen Kreis.
Ein Jugendlicher beginnt und erzählt einen kurzen Satz.
Zum Beispiel:
„Heute Morgen habe ich Wasser geholt.“
Der nächste Jugendliche muss zuerst wiederholen, was gesagt wurde.
Erst danach darf er seinen eigenen Satz hinzufügen.
Der dritte wiederholt die ersten beiden Aussagen und ergänzt seine eigene.
Die Übung geht weiter.
Die Jugendlichen lernen dadurch aufmerksam zuzuhören.
Gleichzeitig entsteht Bewegung, Konzentration und gemeinsames Lernen.
Bei großen Gruppen kann die Übung in kleineren Kreisen durchgeführt werden.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Wann hörst du anderen Menschen besonders gut zu?
Wann fällt dir Zuhören schwer?
Wie fühlt es sich an, wenn dir jemand aufmerksam zuhört?
Wie fühlt es sich an, wenn dir niemand zuhört?
Was hast du heute über Zuhören gelernt?
Was möchtest du in Zukunft verbessern?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken.
Ermutigung für den Coach
Viele Jugendliche werden zunächst glauben, dass Zuhören etwas Einfaches ist.
Erst durch die Übungen erkennen sie oft, wie anspruchsvoll diese Fähigkeit wirklich ist.
Deshalb solltest du Geduld haben.
Zuhören entwickelt sich nicht an einem Tag.
Es entwickelt sich durch Übung.
Durch Wiederholung.
Durch Vorbilder.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher einen anderen ausreden lässt, findet Lernen statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher nachfragt statt zu urteilen, findet Lernen statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher versucht, eine andere Sichtweise zu verstehen, wächst seine Sozialkompetenz.
Vergiss dabei nicht:
Die meisten Menschen möchten nicht zuerst beraten werden.
Sie möchten zuerst verstanden werden.
Wenn Jugendliche das Erkennen, verändert sich oft ihr Umgang mit Freunden, Geschwistern, Eltern und Mitschülern.
Zuhören schafft Vertrauen.
Vertrauen schafft Verständnis.
Verständnis schafft Verbindung.
Und genau dort beginnt ein friedliches Zusammenleben.
Deshalb gehört Zuhören zu den wertvollsten Fähigkeiten, die ein Mensch entwickeln kann.
Und genau deshalb nimmt diese Stufe einen so wichtigen Platz im gesamten Sozialkompetenztraining ein.
Diese Stufe bildet gemeinsam mit Stufe 6 („Klar sprechen“) ein starkes Kommunikationspaar. Erst wenn Menschen lernen zuzuhören, können sie andere wirklich verstehen. Und erst wenn sie verstehen, können sie Konflikte friedlich lösen. Deshalb wird Stufe 5 später die Grundlage für Stufe 6 und insbesondere für Stufe 7 – Konflikte lösen.
Stufe 6 – Klar sprechen
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 6 erreichen die Jugendlichen einen wichtigen Wendepunkt im Sozialkompetenztraining.
Bis jetzt haben sie gelernt:
- sich selbst besser kennenzulernen,
- Gefühle wahrzunehmen,
- Gefühle bewusster zu steuern,
- die Bedeutung von Respekt zu verstehen,
- anderen aufmerksam zuzuhören.
Nun folgt der nächste Schritt:
Die eigenen Gedanken, Gefühle und Wünsche klar auszudrücken.
Viele Menschen glauben, Kommunikation bedeute einfach nur zu sprechen.
Doch Kommunikation ist viel mehr.
Kommunikation bedeutet, Gedanken so auszudrücken, dass andere Menschen sie verstehen können.
Viele Konflikte entstehen nicht, weil Menschen böse Absichten haben.
Viele Konflikte entstehen, weil Menschen sich missverstehen.
Jemand meint etwas anderes als das, was beim Gegenüber ankommt.
Jemand sagt zu wenig.
Jemand sagt zu viel.
Jemand spricht unklar.
Jemand spricht aus Wut.
Jemand schweigt, obwohl etwas Wichtiges gesagt werden müsste.
Diese Stufe hilft Jugendlichen zu verstehen, dass klare Kommunikation eine Fähigkeit ist, die gelernt und trainiert werden kann.
Wer klar spricht, wird besser verstanden.
Wer besser verstanden wird, erlebt weniger Missverständnisse.
Und weniger Missverständnisse bedeuten oft weniger Konflikte.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Warum klare Kommunikation wichtig ist.
- Wie Missverständnisse entstehen.
- Wie Gedanken verständlich ausgedrückt werden können.
- Warum Ehrlichkeit und Respekt zusammengehören.
Viele Jugendliche erleben Situationen, in denen sie denken:
„Das habe ich doch gesagt.“
Doch die andere Person hat etwas völlig anderes verstanden.
Dadurch entstehen Frust, Enttäuschung und manchmal Streit.
Der Jugendliche soll erkennen:
Verstanden werden ist nicht selbstverständlich.
Deshalb hilft klares Sprechen sowohl dem Sprecher als auch dem Zuhörer.
Klarheit schafft Orientierung.
Klarheit schafft Vertrauen.
Klarheit schafft Sicherheit.
Diese Erkenntnis wird später besonders wichtig, wenn Konflikte gelöst oder Verantwortung übernommen werden sollen.
Die Rolle des Coaches
Als Coach bist du in dieser Stufe wieder ein Vorbild.
Die Jugendlichen beobachten ständig, wie du mit ihnen sprichst.
Deshalb sollte deine Sprache möglichst:
- klar,
- ruhig,
- respektvoll,
- verständlich
sein.
Vermeide lange und komplizierte Erklärungen.
Kurze und verständliche Sätze wirken oft stärker.
Wenn Jugendliche Schwierigkeiten haben, ihre Gedanken auszudrücken, hilf ihnen durch Fragen.
Zum Beispiel:
„Was möchtest du genau sagen?“
„Kannst du ein Beispiel geben?“
„Wie würdest du das einem Freund erklären?“
Oft wird ein Gedanke dadurch klarer.
Der Coach hilft den Jugendlichen, ihre Gedanken zu ordnen.
Er spricht nicht für sie.
Er hilft ihnen, selbst die passenden Worte zu finden.
Besonders wichtig ist dabei Geduld.
Manche Jugendliche wissen genau, was sie denken, finden aber nicht sofort die richtigen Worte.
Das ist normal.
Mit Übung wächst ihre Sicherheit.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene verbessern Jugendliche ständig.
Sie unterbrechen.
Sie korrigieren jedes Wort.
Sie beenden Sätze.
Dadurch verlieren Jugendliche oft den Mut zu sprechen.
Natürlich darf ein Coach helfen.
Aber zuerst sollte er zuhören.
Lass Jugendliche ihre Gedanken zu Ende formulieren.
Auch wenn die Erklärung nicht perfekt ist.
Auch wenn die Worte fehlen.
Auch wenn es etwas länger dauert.
Vermeide außerdem öffentliche Bloßstellung.
Ein Jugendlicher, der ausgelacht wird, wird künftig weniger sprechen.
Ein Jugendlicher, der respektvoll begleitet wird, wird mutiger.
Vermeide ebenfalls aggressive Kommunikation.
Wenn ein Coach laut, beleidigend oder abwertend spricht, wird die Botschaft der gesamten Stufe unglaubwürdig.
Die Jugendlichen lernen mehr durch dein Verhalten als durch deine Erklärungen.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen eignet sich diese Stufe besonders gut für kurze Partnergespräche.
Die Jugendlichen bilden Zweiergruppen.
Jeder erhält eine einfache Aufgabe.
Zum Beispiel:
Erzähle deinem Partner von deinem Lieblingsort.
Oder:
Erzähle von etwas, das du gut kannst.
Der Zuhörer darf anschließend wiederholen, was er verstanden hat.
Danach wird gemeinsam geprüft:
Habe ich mich klar ausgedrückt?
Wurde ich richtig verstanden?
Die Jugendlichen erleben dadurch unmittelbar, wie Kommunikation funktioniert.
Und sie erkennen, wie leicht Missverständnisse entstehen können.
Freiluftvariante für Kakuma ab auch in anderen Gebieten
Diese Übung benötigt kein Material.
Die Jugendlichen stehen in einer Reihe oder in einem Kreis.
Der erste Jugendliche erhält einen kurzen Satz vom Coach.
Zum Beispiel:
„Gemeinsam schaffen wir mehr.“
Er flüstert den Satz an die nächste Person weiter.
Die Nachricht wandert durch die Gruppe.
Am Ende spricht die letzte Person den Satz laut aus.
Oft unterscheidet sich die letzte Version deutlich vom ursprünglichen Satz.
Nun kann die Gruppe gemeinsam überlegen:
Warum hat sich die Botschaft verändert?
Was können wir tun, damit Kommunikation klarer wird?
Die Übung macht Spaß und vermittelt gleichzeitig eine wichtige Lernbotschaft.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Wann fällt dir klares Sprechen leicht?
Wann fällt dir klares Sprechen schwer?
Wann wirst du emotional und verlierst die Klarheit?
Wie fühlst du dich, wenn du verstanden wirst?
Wie fühlst du dich, wenn du missverstanden wirst?
Was hast du heute über Kommunikation gelernt?
Was möchtest du in Zukunft verbessern?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihre eigene Kommunikation bewusster wahrzunehmen.
Ermutigung für den Coach
Viele Jugendliche sprechen nicht deshalb unklar, weil sie nicht denken können.
Oft fehlt ihnen lediglich Übung. Manche haben nie gelernt, ihre Gedanken auszusprechen. Manche haben Angst, Fehler zu machen. Manche wurden früher nicht ernst genommen.
Deshalb braucht diese Stufe Geduld und Ermutigung.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher den Mut hat, seine Meinung auszusprechen, findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher einen Gedanken klarer formuliert als früher, findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher ehrlich sagt:
„Das hat mich verletzt.“ oder „Ich brauche Hilfe.“ wächst seine soziale Kompetenz.
Vergiss nie:
Klare Kommunikation bedeutet nicht, immer die richtigen Worte zu finden.
Klare Kommunikation bedeutet, ehrlich, respektvoll und verständlich zu sprechen. Menschen müssen nicht perfekt kommunizieren. Sie müssen bereit sein, verstanden werden zu wollen. Und sie müssen bereit sein, andere verstehen zu wollen.
Genau dort entsteht echte Kommunikation. Genau dort entstehen Vertrauen und Zusammenarbeit. Und genau dort wird die Grundlage gelegt für die nächste Stufe des Programms: Konflikte lösen. Denn Konflikte werden selten durch Lautstärke gelöst.
Sie werden durch Zuhören, Verstehen und klare Worte gelöst.
Deshalb ist diese Stufe eine der wichtigsten Brücken im gesamten Sozialkompetenztraining.
Diese Stufe ist der natürliche Partner von Stufe 5. Erst lernen die Jugendlichen zuzuhören, dann lernen sie sich klar auszudrücken. Zusammen bilden beide Stufen die Grundlage für Stufe 7 – Konflikte lösen. Viele Konflikte entstehen nicht durch böse Absichten, sondern durch Missverständnisse. Genau deshalb sind Zuhören und klares Sprechen so entscheidend für die weitere Entwicklung.
Stufe 7 – Konflikte lösen
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 7 erreichen die Jugendlichen einen wichtigen Entwicklungsschritt.
Bis zu diesem Punkt haben sie gelernt:
- sich selbst besser kennenzulernen,
- Gefühle wahrzunehmen,
- Gefühle bewusster zu steuern,
- respektvoll mit anderen umzugehen,
- zuzuhören,
- und sich klar auszudrücken.
Nun lernen sie etwas, das sie ihr ganzes Leben begleiten wird:
Wie man Konflikte versteht und löst.
Viele Menschen haben Angst vor Konflikten.
Sie glauben:
Konflikte sind schlecht.
Konflikte müssen vermieden werden.
Konflikte zerstören Beziehungen.
Doch das stimmt nicht immer.
Konflikte gehören zum Leben.
Wo Menschen zusammenleben, entstehen unterschiedliche Meinungen.
Unterschiedliche Wünsche.
Unterschiedliche Bedürfnisse.
Unterschiedliche Sichtweisen.
Deshalb sind Konflikte nichts Außergewöhnliches.
Sie sind ein natürlicher Teil des menschlichen Zusammenlebens.
Die eigentliche Frage lautet nicht:
Entstehen Konflikte?
Sondern:
Wie gehen wir mit ihnen um?
Genau hier setzt diese Stufe an.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Warum Konflikte entstehen.
- Warum Konflikte nicht automatisch schlecht sind.
- Wie Konflikte größer werden können.
- Wie Konflikte friedlich gelöst werden können.
Viele Konflikte beginnen mit kleinen Missverständnissen.
Jemand fühlt sich nicht gehört.
Jemand fühlt sich unfair behandelt.
Jemand wird wütend.
Jemand reagiert vorschnell.
Oft wird der ursprüngliche Auslöser mit der Zeit sogar vergessen.
Der Streit bleibt.
Deshalb sollen die Jugendlichen verstehen:
Ein Konflikt ist oft ein Zeichen dafür, dass etwas geklärt werden muss.
Konflikte können sogar zu etwas Positivem führen.
Menschen lernen.
Beziehungen können stärker werden.
Missverständnisse können geklärt werden.
Neue Lösungen können entstehen.
Wenn Konflikte respektvoll bearbeitet werden, entsteht häufig Entwicklung.
Die Rolle des Coaches Bei dieser Stufe wird der Coach häufig in eine besondere Rolle geraten.
Viele Jugendliche erwarten von Erwachsenen:
„Sag uns, wer Recht hat.“
Doch genau das ist meist nicht die wichtigste Aufgabe eines Coaches.
Ein Coach ist nicht in erster Linie Richter.
Ein Coach ist Vermittler.
Er hilft den Beteiligten, einander zu verstehen.
Er hilft dabei, Lösungen zu finden.
Er unterstützt die Jugendlichen dabei, selbst Verantwortung für die Lösung zu übernehmen.
Wenn ein Konflikt geschildert wird, sollte der Coach zunächst zuhören.
Nicht sofort urteilen.
Nicht sofort entscheiden.
Nicht sofort Lösungen vorgeben.
Frage stattdessen:
„Was ist passiert?“
„Wie hast du die Situation erlebt?“
„Wie hat die andere Person die Situation erlebt?“
„Was war dir in diesem Moment wichtig?“
„Was wäre eine faire Lösung?“
Solche Fragen helfen Jugendlichen, unterschiedliche Sichtweisen zu erkennen.
Viele Konflikte verändern sich bereits, wenn Menschen beginnen zuzuhören. Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene greifen zu schnell ein.
Sie wollen den Konflikt möglichst rasch beenden.
Das ist verständlich.
Doch manchmal verhindert genau das den Lernprozess.
Wenn Jugendliche niemals lernen, Konflikte selbst zu lösen, bleiben sie abhängig von Erwachsenen.
Deshalb sollte der Coach nicht jede Lösung vorgeben.
Vermeide vorschnelle Schuldzuweisungen.
Vermeide Aussagen wie:
„Du bist schuld.“
„Du hast angefangen.“
„Du bist das Problem.“
Solche Aussagen führen oft dazu, dass sich Jugendliche verteidigen.
Dann wird Lernen schwieriger.
Konzentriere dich stattdessen auf das Verhalten.
Nicht auf die Person.
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Ein Coach darf Konflikte begleiten.
Gewalt hingegen erfordert sofortiges Eingreifen.
Wenn Menschen bedroht werden.
Wenn körperliche Gewalt entsteht.
Wenn jemand ernsthaft verletzt werden könnte.
Dann muss der Schutz der Beteiligten immer Vorrang haben.
Friedliche Konflikte können Lernchancen sein.
Gewalt darf niemals als Lernübung betrachtet werden.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen können Konflikte sehr gut durch Rollenspiele geübt werden.
Der Coach beschreibt eine Situation.
Zum Beispiel:
Zwei Jugendliche möchten denselben Gegenstand benutzen.
Oder:
Ein Jugendlicher fühlt sich von einem anderen beleidigt.
Zwei Freiwillige spielen die Situation nach.
Die übrige Gruppe beobachtet.
Anschließend fragt der Coach:
„Was habt ihr gesehen?“
„Wie haben sich die Personen wahrscheinlich gefühlt?“
„Welche Lösungen wären möglich?“
Die Gruppe sammelt Vorschläge.
So lernen die Jugendlichen voneinander.
Oft entstehen dabei überraschend gute Ideen.
Freiluftvariante für Kakuma und in anderen Gebieten
Diese Übung benötigt kein Material.
Der Coach nennt verschiedene Konfliktsituationen.
Zum Beispiel:
„Jemand drängelt sich vor.“
„Jemand nimmt etwas, ohne zu fragen.“
„Jemand verbreitet ein Gerücht.“
Die Jugendlichen bilden kleine Gruppen.
Jede Gruppe bespricht:
- Was könnte passieren?
- Welche Gefühle entstehen?
- Wie könnte man den Konflikt friedlich lösen?
Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ideen.
So lernen die Jugendlichen unterschiedliche Lösungswege kennen.
Gleichzeitig bleibt die gesamte Gruppe aktiv beteiligt.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Wann hattest du zuletzt einen Konflikt?
Wie hast du damals reagiert?
Was ist gut gelaufen?
Was ist nicht gut gelaufen?
Was würdest du heute anders machen?
Welche Art von Konflikten fallen dir besonders schwer?
Was hast du heute über Konflikte gelernt?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihre eigenen Erfahrungen bewusst zu reflektieren.
Reflexion für den Coach
Auch Coaches erleben Konflikte.
Vielleicht mit Kollegen.
Vielleicht in der Familie.
Vielleicht in der Gemeinschaft.
Deshalb lohnt es sich, auch über die eigene Konfliktfähigkeit nachzudenken.
Frage dich selbst:
Wie reagiere ich auf Konflikte?
Höre ich wirklich zu?
Werde ich schnell emotional?
Suche ich Lösungen oder Schuldige?
Welche Konflikte fallen mir persönlich schwer?
Die Jugendlichen lernen nicht nur aus deinen Worten.
Sie lernen auch aus deinem Verhalten.
Jeder Konflikt, den du respektvoll löst, wird zu einem Vorbild für die Gruppe.
Ermutigung für den Coach
Viele Jugendliche werden Konflikte zunächst als etwas Negatives betrachten.
Das ist normal.
Auch viele Erwachsene denken so.
Doch mit der Zeit können sie erkennen:
Konflikte müssen nicht zerstören.
Sie können auch verbinden.
Wenn Menschen lernen zuzuhören.
Wenn Menschen lernen zu verstehen.
Wenn Menschen lernen, Lösungen zu suchen.
Dann wird aus einem Konflikt oft eine Gelegenheit zur Entwicklung.
Genau deshalb ist diese Stufe so wichtig.
Hier lernen Jugendliche eine Fähigkeit, die sie in der Familie, in Freundschaften, in der Schule, im Beruf und später vielleicht sogar als Eltern oder Führungspersonen benötigen werden.
Und vielleicht lernst auch du als Coach etwas Neues über dich selbst.
Denn Konflikte zeigen uns oft nicht nur die Schwächen anderer.
Sie zeigen uns auch unsere eigenen.
Wer bereit ist, daraus zu lernen, wächst.
Wer bereit ist zuzuhören, entwickelt sich.
Wer bereit ist, nach fairen Lösungen zu suchen, stärkt Gemeinschaft.
Genau dort beginnt Friedensfähigkeit.
Genau dort beginnt soziale Reife.
Und genau dort entsteht die Grundlage für die nächste Stufe des Programms:
Verantwortung übernehmen.
Denn wer Konflikte versteht, beginnt oft zu erkennen, welchen Anteil er selbst an einer Situation hatte.
Und genau dort beginnt persönliche Verantwortung.
Diese Stufe ist einer der wichtigsten Wendepunkte des gesamten Programms. Hier verlassen die Jugendlichen die Ebene des bloßen Verstehens und beginnen zu lernen, wie sie schwierige Situationen aktiv gestalten können. Gleichzeitig beginnt hier oft auch die Entwicklung des Coaches selbst, denn Konflikte gehören zu den Themen, bei denen Erwachsene ebenso viel lernen können wie Jugendliche.
Stufe 8 – Verantwortung übernehmen
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 8 erreichen die Jugendlichen einen der wichtigsten Punkte des gesamten Sozialkompetenztrainings.
Viele Menschen glauben, Verantwortung bedeute vor allem Pflichten.
Sie denken an Arbeit.
An Aufgaben.
An Regeln.
An Verpflichtungen.
Doch Verantwortung beginnt viel früher.
Verantwortung beginnt dort, wo ein Mensch erkennt:
Mein Handeln hat Auswirkungen.
Meine Entscheidungen haben Folgen.
Ich kann Einfluss auf mein Leben nehmen.
Diese Erkenntnis verändert Menschen.
Deshalb gehört diese Stufe zu den bedeutendsten des gesamten Programms.
Sie bildet die Brücke zwischen persönlicher Entwicklung und bewusstem Handeln.
Bis jetzt haben die Jugendlichen gelernt:
- sich selbst besser kennenzulernen,
- Gefühle wahrzunehmen,
- Gefühle zu steuern,
- respektvoll mit anderen umzugehen,
- zuzuhören,
- klar zu kommunizieren,
- Konflikte zu lösen.
Nun folgt die nächste Frage:
Was mache ich mit diesem Wissen?
Genau dort beginnt Verantwortung.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Dass ihr Verhalten Auswirkungen hat.
- Dass Entscheidungen Folgen haben.
- Dass Entwicklung bei ihnen selbst beginnt.
- Dass Verantwortung Stärke bedeutet.
Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens damit, die Ursachen ihrer Probleme ausschließlich außerhalb von sich selbst zu suchen.
Sie sagen:
Die anderen sind schuld.
Die Umstände sind schuld.
Die Familie ist schuld.
Die Schule ist schuld.
Die Regierung ist schuld.
Manchmal enthalten solche Aussagen sogar einen Teil Wahrheit.
Die Lebensumstände vieler Menschen sind schwierig.
Besonders Jugendliche in Flüchtlingslagern oder benachteiligten Regionen erleben oft Situationen, die sie nicht selbst verursacht haben.
Deshalb ist bei dieser Stufe große Sensibilität notwendig.
Verantwortung bedeutet nicht:
An allem schuld zu sein.
Verantwortung bedeutet:
Zu erkennen, worauf ich Einfluss habe.
Ein Jugendlicher hat nicht immer Einfluss auf seine Vergangenheit.
Aber er hat oft Einfluss auf seine nächsten Entscheidungen.
Genau dort beginnt Verantwortung.
Die Rolle des Coaches
Als Coach begleitest du die Jugendlichen bei einer wichtigen Erkenntnis.
Du hilfst ihnen, zwischen Schuld und Verantwortung zu unterscheiden.
Das ist einer der wichtigsten Unterschiede dieser gesamten Stufe.
Schuld blickt oft zurück.
Verantwortung blickt nach vorne.
Schuld fragt:
Wer hat das verursacht?
Verantwortung fragt:
Was kann ich jetzt tun?
Viele Jugendliche werden zunächst über andere Menschen sprechen.
Das ist normal.
Höre aufmerksam zu.
Zeige Verständnis.
Doch führe das Gespräch anschließend behutsam weiter.
Frage zum Beispiel:
Was war dein Anteil an der Situation?
Was hättest du beeinflussen können?
Was möchtest du beim nächsten Mal anders machen?
Welchen nächsten Schritt kannst du selbst gehen?
Diese Fragen helfen Jugendlichen, ihren eigenen Handlungsspielraum zu entdecken.
Und genau dieser Handlungsspielraum ist der Schlüssel zu persönlicher Entwicklung.
Ein Coach nimmt den Jugendlichen die Verantwortung nicht ab.
Er hilft ihnen, sie zu erkennen.
Was sollte der Coach vermeiden?
Diese Stufe verlangt besondere Aufmerksamkeit.
Viele Erwachsene machen hier unbewusst Fehler.
Sie verwechseln Verantwortung mit Schuldzuweisung.
Sie sagen:
Du bist selbst schuld.
Das ist deine Schuld.
Du hättest alles besser machen müssen.
Doch genau das ist nicht das Ziel dieser Stufe.
Menschen entwickeln sich selten durch Vorwürfe.
Menschen entwickeln sich durch Erkenntnis.
Ein Coach sollte deshalb niemals beschämen.
Niemals demütigen.
Niemals Schuldgefühle erzeugen.
Verantwortung wächst am besten in einer Atmosphäre von Respekt und Vertrauen.
Vermeide außerdem einfache Antworten.
Das Leben ist oft komplex.
Manche Probleme haben viele Ursachen.
Manche Situationen sind schwierig.
Ein Coach darf dies anerkennen.
Gleichzeitig hilft er den Jugendlichen zu erkennen:
Auch wenn nicht alles in meiner Hand liegt, gibt es Dinge, die ich beeinflussen kann.
Und genau dort beginnt Entwicklung.
Arbeiten mit großen Gruppen
Diese Stufe eignet sich sehr gut für Fallbeispiele.
Der Coach beschreibt Situationen aus dem Alltag.
Zum Beispiel:
Ein Jugendlicher kommt regelmäßig zu spät.
Eine Gruppe erledigt eine Aufgabe nicht.
Zwei Freunde streiten sich.
Jemand gibt einem anderen die Schuld für einen Fehler.
Die Gruppe diskutiert anschließend:
Wer trägt Verantwortung?
Welche Entscheidungen wurden getroffen?
Was hätte anders gemacht werden können?
Welche Lösungen wären möglich?
Dabei lernen die Jugendlichen, Verantwortung als etwas Praktisches und Alltägliches zu verstehen.
Freiluftvariante für Kakuma und in anderen Gebieten
Diese Übung benötigt kein Material.
Der Coach zeichnet mit einem Stock einen großen Kreis in den Boden.
Innerhalb des Kreises schreibt oder erklärt er:
Dinge, die ich beeinflussen kann.
Außerhalb des Kreises:
Dinge, die ich nicht beeinflussen kann.
Nun nennt der Coach verschiedene Beispiele:
Das Wetter.
Meine Reaktion auf Kritik.
Die Vergangenheit.
Mein Umgang mit anderen Menschen.
Ob ich pünktlich erscheine.
Die Entscheidungen anderer Menschen.
Die Jugendlichen entscheiden gemeinsam, ob die Situation innerhalb oder außerhalb des Kreises gehört.
Diese einfache Übung vermittelt eine sehr wichtige Erkenntnis:
Nicht alles liegt in meiner Hand.
Aber einiges liegt in meiner Hand.
Und genau dort beginnt Verantwortung.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Wann fällt es dir leicht, Verantwortung zu übernehmen?
Wann fällt es dir schwer?
In welchen Situationen suchst du nach Ausreden?
Was war dein Anteil an einem Konflikt, den du erlebt hast?
Welche Entscheidung bist du besonders stolz getroffen zu haben?
Was möchtest du künftig bewusster tun?
Was hast du heute über Verantwortung gelernt?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihr eigenes Verhalten genauer zu betrachten.
Reflexion für den Coach
Diese Stufe richtet sich nicht nur an die Jugendlichen.
Sie richtet sich auch an dich. Denn auch Coaches übernehmen Verantwortung.
Frage dich selbst:
Wann suche ich nach Ausreden?
Wann fällt es mir schwer, Fehler zuzugeben?
In welchen Situationen gebe ich anderen die Schuld?
Wo könnte ich selbst mehr Verantwortung übernehmen?
Welche Entscheidung in meinem Leben hat mich besonders weitergebracht?
Diese Fragen sind nicht immer einfach.
Doch genau deshalb sind sie wertvoll.
Die Jugendlichen werden nicht nur von deinen Worten lernen.
Sie werden auch von deiner Haltung lernen.
Wenn du Verantwortung vorlebst, wird deine Botschaft glaubwürdig.
Verantwortung und Hoffnung
Besonders in schwierigen Lebenssituationen kann Verantwortung missverstanden werden.
Manche Menschen hören:
Übernimm Verantwortung.
Und denken:
Dann bin ich an allem schuld.
Doch das ist nicht gemeint.
Verantwortung bedeutet nicht, sich selbst zu beschuldigen.
Verantwortung bedeutet, die eigene Kraft zu entdecken.
Es bedeutet zu erkennen:
Ich kann Entscheidungen treffen.
Ich kann lernen.
Ich kann wachsen.
Ich kann meinen nächsten Schritt wählen.
Diese Erkenntnis schenkt Hoffnung.
Und Hoffnung gehört zu den stärksten Kräften menschlicher Entwicklung. Ermutigung für den Coach
Viele Jugendliche werden diese Stufe zunächst schwierig finden.
Das ist normal.
Verantwortung zu übernehmen, bedeutet oft, ehrlich auf sich selbst zu schauen.
Das erfordert Mut.
Doch genau dieser Mut macht Menschen stärker.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher sagt:
„Ja, das war mein Fehler.“
findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher erkennt:
„Das hätte ich besser machen können.“
findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher beschließt:
„Beim nächsten Mal handle ich anders.“
beginnt Veränderung.
Und genau dort liegt die besondere Kraft dieser Stufe.
Hier lernen Jugendliche, dass sie nicht Opfer ihrer Umstände bleiben müssen.
Hier lernen sie, dass sie Einfluss auf ihr eigenes Leben haben.
Hier lernen sie, dass Verantwortung keine Last sein muss.
Verantwortung kann Freiheit bedeuten.
Denn wer Verantwortung übernimmt, erkennt seine eigenen Möglichkeiten.
Und wer seine Möglichkeiten erkennt, beginnt seinen Weg bewusst zu gestalten.
Genau deshalb gehört diese Stufe zu den wichtigsten des gesamten Programms.
Sie bildet die Grundlage für die nächste Stufe:
Ziele setzen.
Denn erst wenn Menschen Verantwortung für ihr Leben übernehmen, beginnen sie bewusst zu entscheiden, wohin ihr Weg führen soll. Von allen bisherigen Stufen halte ich diese tatsächlich für die zentrale Entwicklungsstufe. Hier entsteht oft der Übergang vom Reagieren zum Gestalten. Viele Jugendliche erinnern sich Jahre später nicht mehr an einzelne Übungen, aber sie erinnern sich an den Moment, in dem sie verstanden haben:
„Nicht alles liegt in meiner Hand. Aber einiges liegt in meiner Hand.“ Diese Erkenntnis kann dein Leben verändern.
Stufe 9 – Ziele setzen
Hinweise für Coaches Mit Stufe 9 betreten die Jugendlichen einen neuen Abschnitt ihrer persönlichen Entwicklung.
In den vorherigen Stufen haben sie gelernt:
- sich selbst besser kennenzulernen,
- ihre Gefühle zu verstehen,
- ihre Gefühle zu steuern,
- respektvoll mit anderen umzugehen,
- zuzuhören,
- klar zu kommunizieren,
- Konflikte zu lösen,
- Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Nun richtet sich der Blick nach vorne.
Bis jetzt ging es vor allem darum, sich selbst und andere besser zu verstehen.
Jetzt geht es um die Zukunft.
Denn irgendwann stellt sich jeder Mensch eine wichtige Frage:
Wohin möchte ich gehen?
Genau dort beginnen Ziele.
Viele Menschen leben von Tag zu Tag.
Sie reagieren auf das, was geschieht.
Sie lassen sich treiben.
Manchmal geschieht das aus Gewohnheit.
Manchmal aus Unsicherheit.
Manchmal, weil sie nie gelernt haben, sich bewusst Ziele zu setzen.
Doch Ziele geben Orientierung.
Sie helfen Menschen, ihre Energie auf etwas Sinnvolles zu richten.
Sie helfen dabei, auch schwierige Zeiten zu überstehen.
Und sie geben dem täglichen Handeln eine Richtung.
Deshalb gehört diese Stufe zu den wichtigsten Vorbereitungen für ein selbstbestimmtes Leben.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Warum Ziele wichtig sind.
- Wie Ziele Orientierung geben.
- Warum große Ziele aus kleinen Schritten bestehen.
- Dass jeder Mensch seine Zukunft mitgestalten kann.
Viele Jugendliche denken bei Zielen sofort an große Träume.
Zum Beispiel:
Ich möchte Arzt werden.
Ich möchte Unternehmer werden.
Ich möchte Lehrer werden.
Ich möchte meiner Familie helfen.
Solche Träume sind wertvoll.
Doch diese Stufe soll den Jugendlichen auch etwas anderes zeigen:
Große Ziele entstehen aus vielen kleinen Schritten.
Ein Mensch erreicht sein Ziel selten an einem einzigen Tag.
Er erreicht es Schritt für Schritt.
Tag für Tag.
Entscheidung für Entscheidung.
Deshalb sollen die Jugendlichen lernen:
Nicht nur das Ziel ist wichtig.
Auch der nächste Schritt ist wichtig.
Diese Erkenntnis macht Ziele erreichbar.
Die Rolle des Coaches
Als Coach hilfst du den Jugendlichen, über ihre Zukunft nachzudenken.
Dabei solltest du nicht entscheiden, welche Ziele richtig oder falsch sind.
Deine Aufgabe besteht darin, Fragen zu stellen.
Zum Beispiel:
Was möchtest du lernen?
Was möchtest du erreichen?
Was ist dir wichtig?
Worauf bist du bereit hinzuarbeiten?
Manche Jugendliche werden sofort Ideen haben.
Andere werden unsicher sein.
Das ist normal.
Nicht jeder Mensch kennt seinen Weg sofort.
Ein Coach hilft den Jugendlichen deshalb, ihre Gedanken zu ordnen.
Er macht Mut.
Er zeigt Interesse.
Er unterstützt die Jugendlichen dabei, ihre eigenen Ziele zu entdecken.
Besonders wichtig ist dabei:
Der Coach sollte Hoffnung fördern.
Nicht begrenzen.
Viele Jugendliche leben unter schwierigen Bedingungen.
Trotzdem sollten ihre Träume ernst genommen werden.
Gleichzeitig hilft der Coach ihnen, realistische nächste Schritte zu erkennen.
Was sollte der Coach vermeiden?
Vermeide es, die Ziele der Jugendlichen zu bewerten.
Ein Ziel, das für einen Jugendlichen bedeutungsvoll ist, muss nicht für jeden anderen Menschen bedeutungsvoll sein.
Vermeide Aussagen wie:
Das schaffst du nie.
Das ist unrealistisch.
Such dir etwas Einfacheres.
Solche Aussagen können Hoffnung zerstören.
Stattdessen kann der Coach fragen:
Welcher erste Schritt wäre möglich?
Was könntest du heute tun?
Wer könnte dich unterstützen?
Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, nur über große Ziele zu sprechen.
Große Ziele können motivieren.
Sie können aber auch einschüchtern.
Deshalb sollte der Coach immer wieder auf kleine, erreichbare Schritte zurückkommen.
Menschen wachsen durch Erfolge.
Und kleine Erfolge schaffen Selbstvertrauen.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen können die Jugendlichen zunächst über allgemeine Lebensziele sprechen.
Zum Beispiel:
- Bildung
- Arbeit
- Familie
- Gesundheit
- Gemeinschaft
- persönliche Entwicklung
Anschließend kann jeder Jugendliche überlegen:
Welches Ziel ist mir momentan besonders wichtig?
Danach können kleine Gruppen gebildet werden.
Die Jugendlichen erzählen einander von ihren Zielen.
Die Gruppe hilft anschließend dabei, mögliche erste Schritte zu finden.
So entstehen gegenseitige Unterstützung und neue Ideen.
Freiluftvariante für Kakuma und in anderen Gebieten
Diese Übung benötigt kein Material.
Der Coach markiert mit einem Stock eine Startlinie und einige Meter entfernt eine Ziellinie.
Die Jugendlichen stellen sich an die Startlinie.
Nun erklärt der Coach:
Die Ziellinie steht für ein Ziel, das du erreichen möchtest.
Die Jugendlichen nennen Beispiele.
Anschließend fragt der Coach:
Kannst du die Ziellinie mit einem einzigen großen Sprung erreichen?
Die Jugendlichen werden meist lachen.
Dann erklärt der Coach:
Genau so funktionieren auch Ziele.
Die meisten Ziele erreicht man Schritt für Schritt.
Nun gehen die Jugendlichen langsam auf die Ziellinie zu.
Bei jedem Schritt nennen sie einen möglichen Zwischenschritt.
Zum Beispiel:
Lernen.
Üben.
Hilfe suchen.
Erfahrungen sammeln.
Die Übung macht sichtbar, dass große Ziele aus vielen kleinen Schritten entstehen.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Welches Ziel ist dir derzeit besonders wichtig?
Warum ist dieses Ziel für dich wichtig?
Was möchtest du in den nächsten Monaten lernen?
Welcher erste Schritt wäre möglich?
Wer könnte dich unterstützen?
Was könnte dich davon abhalten?
Was hast du heute über Ziele gelernt?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihre Zukunft bewusster zu betrachten.
Reflexion für den Coach
Auch Coaches haben Ziele.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf die eigene Entwicklung.
Frage dich selbst:
Welche Ziele verfolge ich derzeit?
Welche Ziele habe ich bereits erreicht?
Welche Ziele habe ich aufgegeben?
Warum habe ich sie aufgegeben?
Welchen nächsten Schritt möchte ich selbst gehen?
Manchmal helfen uns die gleichen Fragen, die wir Jugendlichen stellen, auch bei unserer eigenen Entwicklung.
Ein guter Coach hört nie auf zu lernen.
Ein guter Coach entwickelt sich selbst weiter.
Genau deshalb bleibt er glaubwürdig.
Ziele und Hoffnung
Viele Menschen verlieren ihre Ziele nicht, weil sie unfähig sind.
Sie verlieren ihre Ziele, weil sie die Hoffnung verlieren.
Deshalb ist Hoffnung ein wichtiger Bestandteil dieser Stufe.
Ein Ziel ohne Hoffnung wird oft aufgegeben.
Ein Ziel mit Hoffnung erzeugt Energie.
Es erzeugt Motivation.
Es erzeugt Ausdauer.
Natürlich wird nicht jeder Plan gelingen.
Natürlich wird es Rückschläge geben.
Doch Menschen mit Zielen finden oft leichter wieder auf ihren Weg zurück.
Sie haben eine Richtung.
Und Richtung gibt Kraft.
Ermutigung für den Coach
Manche Jugendliche werden große Träume äußern.
Andere werden zunächst keine Ziele nennen können.
Beides ist in Ordnung.
Deine Aufgabe besteht nicht darin, die Zukunft vorherzusagen.
Deine Aufgabe besteht darin, Möglichkeiten sichtbar zu machen.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher beginnt, über seine Zukunft nachzudenken, findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher einen ersten Schritt erkennt, findet Entwicklung statt.
Jedes Mal, wenn ein Jugendlicher sagt:
„Das möchte ich erreichen.“
entsteht Orientierung.
Und Orientierung ist oft der erste Schritt zu Veränderung.
Vergiss dabei nie:
Menschen brauchen nicht immer einen perfekten Plan.
Sie brauchen eine Richtung.
Sie brauchen Hoffnung.
Und sie brauchen den Mut, den ersten Schritt zu gehen.
Genau dort beginnt Zukunft.
Genau dort beginnt persönliches Wachstum.
Und genau dort bereitet diese Stufe die Jugendlichen auf die letzte Stufe des Programms vor:
Mein Weg.
Denn Ziele zeigen uns, wohin wir möchten.
Doch der eigene Weg entsteht erst dadurch, dass wir diesen Zielen Schritt für Schritt folgen.
Diese Stufe bildet gemeinsam mit Stufe 10 den Abschluss der Entwicklungsreise.
Stufe 9 fragt:
„Wohin möchte ich gehen?“
Stufe 10 fragt anschließend:
„Wie gehe ich meinen Weg?“
Deshalb ist Stufe 9 die Stufe der Orientierung, während Stufe 10 die Stufe der persönlichen Entwicklung und der langfristigen Perspektive wird.
Stufe 10 – Mein Weg
Hinweise für Coaches
Mit Stufe 10 erreichen die Jugendlichen die letzte Stufe des NADEUM-Programms zur Sozialkompetenz.
Doch obwohl dies die letzte Stufe des Programms ist, bedeutet sie nicht das Ende der Entwicklung.
Eigentlich beginnt hier etwas Neues.
In den vorherigen Stufen haben die Jugendlichen gelernt:
- sich selbst kennenzulernen,
- Gefühle wahrzunehmen,
- Gefühle zu steuern,
- respektvoll mit anderen umzugehen,
- zuzuhören,
- klar zu kommunizieren,
- Konflikte zu lösen,
- Verantwortung zu übernehmen,
- Ziele zu setzen.
Nun stellt sich eine neue Frage:
- Wie gehe ich meinen eigenen Weg?
- Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg.
- Kein Mensch lebt genau dieselbe Geschichte wie ein anderer.
- Kein Mensch sammelt dieselben Erfahrungen.
- Kein Mensch entwickelt sich auf dieselbe Weise.
- Deshalb ist diese letzte Stufe besonders wichtig.
Sie hilft Jugendlichen zu verstehen, dass Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist. Es geht nicht darum, perfekt zu werden. Es geht darum, weiter zulernen. Weiterzuwachsen.
Und den eigenen Weg bewusst zu gehen.
Was möchte diese Stufe erreichen?
Diese Stufe soll Jugendlichen helfen zu erkennen:
- Dass Entwicklung Zeit braucht.
- Dass jeder Mensch seinen eigenen Weg hat.
- Dass Rückschläge zum Leben gehören.
- Dass Fortschritt oft langsam geschieht.
- Dass jeder Schritt zählt.
Viele Jugendliche vergleichen sich mit anderen Menschen.
Sie sehen Menschen, die erfolgreicher erscheinen.
- Menschen, die schneller lernen.
- Menschen, die mehr Möglichkeiten haben.
Dabei vergessen sie oft etwas Wichtiges:
- Sie sehen nur einen kleinen Teil des Weges anderer Menschen.
- Sie sehen selten die Schwierigkeiten. Die Rückschläge. Die Fehler. Die Zweifel.
- Diese Stufe soll den Jugendlichen helfen zu erkennen:
Mein Weg gehört mir.
Meine Entwicklung braucht Zeit. Ich darf in meinem eigenen Tempo wachsen.
Diese Erkenntnis kann viel Druck aus dem Leben eines jungen Menschen nehmen.
Die Rolle des Coaches
Als Coach begleitest du die Jugendlichen dabei, ihre eigene Entwicklung wahrzunehmen. Viele Menschen konzentrieren sich auf das, was ihnen noch fehlt.
Sie übersehen oft, was sie bereits erreicht haben.
Deshalb kannst du Fragen stellen wie:
- Was hast du in den letzten Monaten gelernt?
- Worin bist du heute stärker als früher?
- Welche Herausforderungen hast du gemeistert?
- Worauf bist du stolz?
Diese Fragen helfen Jugendlichen, ihre Entwicklung bewusst wahrzunehmen.
Besonders wichtig ist dabei:
Der Coach soll nicht nur auf Ergebnisse achten.
Der Coach soll auch Fortschritte würdigen.
Ein Jugendlicher muss nicht bereits am Ziel angekommen sein, um Erfolg erlebt zu haben.
Oft liegt der größte Erfolg darin, nicht aufgegeben zu haben.
Was sollte der Coach vermeiden?
Viele Erwachsene meinen es gut, wenn sie Jugendliche ständig antreiben.
Doch manchmal entsteht dadurch ungewollt Druck.
Vermeide Aussagen wie:
Du musst schneller werden.
Andere sind weiter als du.
Das reicht noch nicht.
Solche Aussagen fördern oft Vergleich und Unsicherheit.
Diese Stufe soll genau das Gegenteil bewirken.
Sie soll den Jugendlichen helfen, ihren eigenen Weg wertzuschätzen.
Vermeide außerdem, Erfolg nur an äußeren Ergebnissen zu messen.
Ein bestandener Test kann ein Erfolg sein.
Doch auch Mut, Ausdauer, Ehrlichkeit oder Verantwortungsbewusstsein sind Erfolge.
Menschen entwickeln sich auf viele verschiedene Arten.
Ein Coach sollte lernen, diese unterschiedlichen Formen von Wachstum wahrzunehmen.
Arbeiten mit großen Gruppen
In großen Gruppen eignet sich diese Stufe besonders gut für Erfahrungsaustausch.
Die Jugendlichen bilden kleine Gruppen.
Jeder erzählt:
- etwas, das er gelernt hat,
- eine Herausforderung, die er gemeistert hat,
- und einen nächsten Schritt, den er gehen möchte.
Die anderen hören zu.
Anschließend dürfen sie positive Rückmeldungen geben.
Dadurch erkennen die Jugendlichen, dass Entwicklung bei jedem Menschen anders aussieht.
Gleichzeitig lernen sie, die Fortschritte anderer wertzuschätzen.
Freiluftvariante für Kakuma und in anderen Gebieten
Diese Übung benötigt kein Material.
Der Coach markiert einen Weg auf dem Boden.
Der Anfang des Weges symbolisiert die Vergangenheit.
Die Mitte symbolisiert die Gegenwart.
Das Ende symbolisiert die Zukunft.
Die Jugendlichen gehen langsam diesen Weg entlang.
An verschiedenen Punkten hält der Coach an und stellt Fragen.
Bei der Vergangenheit:
Was habe ich gelernt?
Welche Schwierigkeiten habe ich überwunden?
Bei der Gegenwart:
Wo stehe ich heute?
Was kann ich heute besser als früher?
Bei der Zukunft:
Welchen nächsten Schritt möchte ich gehen?
Diese einfache Übung macht Entwicklung sichtbar und greifbar.
Reflexionsfragen für Jugendliche
Am Ende der Einheit können folgende Fragen gestellt werden:
Was hast du im letzten Jahr über dich gelernt?
Welche Herausforderung hat dich stärker gemacht?
Worauf bist du stolz?
Was möchtest du weiterhin verbessern?
Welche Eigenschaft möchtest du entwickeln?
Was ist dein nächster Schritt?
Was hast du heute über deinen Weg gelernt?
Diese Fragen helfen den Jugendlichen, ihre Entwicklung bewusst wahrzunehmen.
Reflexion für den Coach
Auch du gehst deinen eigenen Weg.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf deine eigene Entwicklung.
Frage dich selbst:
Was habe ich durch dieses Programm gelernt?
Was habe ich über Jugendliche gelernt?
Was habe ich über mich selbst gelernt?
Welche Stufe hat mich persönlich am meisten berührt?
Wo möchte ich mich als Coach weiterentwickeln?
Was ist mein nächster Schritt?
Vielleicht stellst du fest, dass du gemeinsam mit den Jugendlichen gewachsen bist.
Vielleicht erkennst du, dass auch du dich verändert hast.
Genau das macht Coaching so wertvoll.
Nicht nur die Jugendlichen lernen.
Auch der Coach entwickelt sich weiter.
Mein Weg und Rückschläge
Ein wichtiger Teil dieser Stufe ist der Umgang mit Rückschlägen.
Viele Menschen glauben:
Erfolgreiche Menschen scheitern nicht.
Doch das stimmt nicht.
Erfolgreiche Menschen erleben ebenfalls Fehler, Enttäuschungen und Schwierigkeiten.
Der Unterschied besteht oft darin, dass sie weitermachen.
Deshalb solltest du den Jugendlichen vermitteln:
Rückschläge bedeuten nicht das Ende des Weges.
Manchmal gehören sie zum Lernen dazu.
Manchmal zeigen sie uns, was verbessert werden kann.
Manchmal machen sie uns stärker.
Ein Mensch wird nicht durch Fehler definiert.
Ein Mensch wird durch seinen Umgang mit Fehlern geprägt.
Ermutigung für den Coach
Wenn du diese Stufe mit den Jugendlichen erreichst, habt ihr gemeinsam einen langen Weg zurückgelegt.
Vielleicht haben sich nicht alle Jugendlichen gleichermaßen verändert.
Vielleicht haben manche große Fortschritte gemacht.
Vielleicht haben andere nur kleine Schritte gemacht.
Doch jede Entwicklung ist wertvoll.
Jeder Schritt zählt.
Vergiss nie:
Soziale Kompetenz entsteht nicht an einem einzigen Tag.
Sie wächst durch Erfahrungen.
Durch Begegnungen.
Durch Entscheidungen.
Durch Übung.
Und genau deshalb endet die Entwicklung nicht mit dieser Stufe.
Die Jugendlichen werden ihren Weg weitergehen.
Neue Erfahrungen sammeln.
Neue Herausforderungen erleben.
Neue Entscheidungen treffen.
Vielleicht werden sie sich Jahre später nicht mehr an jede einzelne Übung erinnern.
Doch sie werden sich oft daran erinnern, wie sie behandelt wurden.
Wie man ihnen zugehört hat.
Wie man an sie geglaubt hat.
Wie man ihnen Mut gemacht hat.
Und vielleicht erinnern sie sich auch daran, dass jemand ihnen einmal geholfen hat zu erkennen:
Mein Weg ist einzigartig.
Meine Entwicklung hat Wert.
Jeder Schritt bringt mich weiter.
Genau dort liegt die eigentliche Botschaft dieser letzten Stufe.
Und genau dort endet das Programm nicht.
Dort beginnt der weitere Weg des Menschen.
Denn Entwicklung ist kein Ziel.
Entwicklung ist ein Weg.
Und jeder Mensch geht ihn auf seine eigene Weise.
Kapitel 10
Spielerisch lernen
- Kinder lernen gerne durch Bewegung.
- Nutze deshalb einfache Spiele.
- Lass die Gruppe aufstehen.
- Lass sie Positionen wechseln.
- Lass sie kleine Aufgaben gemeinsam lösen.
- Lass sie Fragen durch Bewegung beantworten.
- Wer zustimmt, macht einen Schritt nach vorne.
- Wer unsicher ist, bleibt stehen.
- Wer eine andere Meinung hat, geht zur Seite.
So wird Lernen sichtbar. Und die Aufmerksamkeit bleibt erhalten.
Kapitel 11
Wenn es schwierig wird
Es wird Tage geben, an denen niemand zuhören möchte. Es wird Tage geben, an denen die Gruppe unruhig ist. Es wird Tage geben, an denen du selbst müde bist.
Das ist normal.
Gute Coaches erkennen:
Nicht jeder Tag muss perfekt sein. Manchmal reicht es, wenn eine einzige gute Erkenntnis entsteht. Manchmal reicht ein gutes Gespräch. Manchmal reicht es, wenn ein Kind sich zum ersten Mal traut, etwas zu sagen.
Entwicklung geschieht oft langsam. Aber sie geschieht.
Kapitel 12
Du bist wichtiger als das Programm
Die Jugendlichen werden sich später vielleicht nicht mehr an jede Übung erinnern.
Sie werden vielleicht nicht mehr jede Frage kennen. Sie werden vielleicht nicht mehr jede Aufgabe beschreiben können. Aber sie werden sich oft an Menschen erinnern. An Menschen, die ihnen zugehört haben. An Menschen, die sie respektiert haben. An Menschen, die an sie geglaubt haben. An Menschen, die ihnen Mut gemacht haben.
Deshalb bist du als Coach ein wichtiger Teil dieses Programms.
Nicht weil du alles weißt. Sondern weil du bereit bist, andere Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Das ist Coaching. Das ist Entwicklung. Und genau dort beginnt soziale Kompetenz.
Abschließender Gedanke zum Coach-Handbuch
Wenn ich die zehn Coach-Kapitel nun gemeinsam betrachte, erkenne ich etwas Schönes:
Die Jugendlichen durchlaufen die zehn Stufen. Der Coach durchläuft sie ebenfalls.
- Stufe 1: Wer bin ich?
- Stufe 2: Was fühle ich?
- Stufe 3: Wie gehe ich damit um?
- Stufe 4: Wie lebe ich mit anderen?
- Stufe 5: Höre ich wirklich zu?
- Stufe 6: Drücke ich mich klar aus?
- Stufe 7: Wie löse ich Konflikte?
- Stufe 8: Übernehme ich Verantwortung?
- Stufe 9: Wohin möchte ich gehen?
- Stufe 10: Welchen Weg gehe ich?
Dadurch wird dieses Handbuch mehr als eine Anleitung. Es wird zu einem Begleiter für Menschen, die andere begleiten wollen. Und das passt sehr gut zur Grundidee des gesamten NADEUM-Programms:
Entwicklung endet nicht bei den Jugendlichen. Sie umfasst alle Menschen, die bereit sind zu lernen und zu wachsen.