Warum I so bin wie I bin
1. Hochdeutsch
Ich scheine für manche Zeitgenossen ein wenig „zu viel“ zu denken. Doch um es klarzustellen: Genau das unterscheidet den Einzelnen von der Masse. Wie viele andere auch denke ich über mich selbst und mein Umfeld nach. Und mir ist bewusst, dass ein einzelner Mensch – wenn er mental stark ist und wenn vielen die Vision für eine gestaltbare Zukunft fehlt – gerade dann die Aufgabe hat, weiterzudenken. Denn wenn seine Gedanken irgendwann gefunden werden, können sie andere ermutigen, ebenfalls darüber nachzudenken: „Was wäre, wenn…?“
2. Wiener Dialekt – Ottakringer Färbung
I schein für manche Leit a bissl z’vü zum Nochdenken. Aba nur, damit ma uns richtig verstehen: Genau des is da Unterschied zur breiten Masse. So wie vü andere a, denk i über mi selber und über des, wos rund um mi passiert, nach. Und i woaß scho, dass a Einziger – wenn er im Kopf stabil is und wenn vü andern die Vision für a g’scheite Zukunft fehlt – genau dann drüber grübeln sollt. Weil wenn irgendwem amoi meine Gedank’n in d’Händ fall’n, vielleicht bringt’s eam zum Überlegen: „Wos war’, wenn…?“
3. Wiener Dialekt – Meidlinger Färbung
I kumm manchn Leit so vor, ois warat i a Spur z’vü im Hirn unterwegs. Na guat, sog i: Genau des is da feine Unterschied zur Herdenpartie. Wia vü andere a, denk i über mi und über des G’schichtl rund um mi nach. Und i bin ma scho im Klar’n: Wenn da Einzige im Schädel standfest is und de andern ka Plan ham, wia Zukunft überhaupt ausschau’n könnt, dann is genau der Punkt, wo da Einzige weiterdenken sollt. Weil wenn irgendwem amoi meine Gedank’n in d’Fingern fall’n, vielleicht fangt a selber zum Grübeln an: „Wos warat, wenn…?“
„Da Pensionist aus da Fenzlgossn“
(im Geist vom Georg Danzer)
I bin ka Pensionist, der si in d’Fenzlgossn setzt,
nur weil irgendwer glaubt, dass ma do afoch besser g’fällt.
I bin a Mensch, der no immer wos wissen wü,
und wenn’s wem stört, na ja – des is net mei G’füh.
I denk über d’Stern’ nach, über Gott und die Zeit,
über wos bleibt, wenn ma geht, und wos bleibt, wenn ma bleibt.
Und du sogst: „Geh, sei afoch still, host eh scho gnua g’lebt.“
Jo eh – oba warum sollt i aufhör’n, nur weil’s wem net taugt, wia i leb?
I bin a Mini‑Revoluzzer, a leiser Rebäll,
koa Held, koa Prophet, oba i denk ma halt vü.
Und wennst mi fragst, wos i im Gottesdienst suach:
Gott is eh überall – und meistens a in mir z’haus.
Und wennst mi wieder amoi in a Schachtel steck’n wüst,
dann sog i da: „Heast, Bua, du kennst mi schlecht, wennst des glaubst.“
I bin da Georg‑Josef, und i bleib so wia i bin,
und wenn da Kosmos lacht, dann lacht er halt mit mir mit drin.
Drum moch da kane Sorg’n, i bin eh net gefährlich,
nur neugierig, wach und a bissl eigensinnig ehrlich.
Und wenn da des z’vü is, host Pech g’habt, mei Freund,
denn i leb’ net zum G’falln – i leb’, weil i leb’n wü.
„Da Mann, der ned verschwind’“
(frei nach der Stimmung von Ludwig Hirsch)
I bin ka Pensionist, der si in d’Ecken verliert,
wo ma wartet, bis ma leiser wird und langsam kapiert,
dass Fragen unbequem san und Denken net zahlt.
I bin no do – und i frag trotzdem, was wirklich zählt.
I sitz oft allanig, red kaum a Wort,
schau der Zeit beim Vergehen zu, ganz ohne Trost.
Die Stern’ san ka Antwort, oba sie hören mir zua,
wenn i mi frag, ob Gott mi no erkennt – oder nur i mi selber no spür.
Du sogst: „Lass gut sein, es is eh scho spät.“
I hör des oft – oba i weiß net, für wen des gilt.
Denn solang i no zweifeln kann, bin i net stumm,
und solang i no fühl, bin i net wirklich um.
I bin ka Held, ka Erlöser, ka Licht in da Nacht,
nur a Mensch mit Gedanken, die ma schlaflos moch’n.
Und wenn i in a Kirch geh, dann sitz i nur still,
weil Gott si net zeigt – oba manchmal a bissl bei mir sein wü.
Wennst mi in a Schublad steckst, machst s’leis und genau,
damit i nimma stör, damit i nimma frag.
Oba i pass net hinein – i bin sperrig und schwer,
weil i mi net verlier, nur damit ma mi gern hat, so leer.
I heiß Georg-Josef, und i bleib do,
a Schatten mit Stimme, a Mensch ohne Show.
Und wenn der Kosmos lacht, dann lacht er net laut,
sondern so, dass ma’s erst merkt, wenn ma lang genug schaut.
Drum moch da kane Hoffnung, dass i mi verbieg,
i bin net brav, net angepasst, net friedlich im Sinn.
I leb net zum G’fallen, i leb net zum Ruhm,
i leb, weil i no atm’ – und des reicht mir zum Tun.